Lehrforschungsprojekt: Mediennutzung zwischen Politik und Konsum
Auf diesen Seiten präsentieren Studierende der Fächer Soziologie und Politikwissenschaft Ergebnisse von Internetanalysen, die sie im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes zur „Mediennutzung zwischen Politik und Konsum“ im SoSe 2004 und WS 2004/05 durchgeführt haben. Das gemeinsam von Dr. Christoph Bieber (Politikwissenschaft) und Dr. Jörn Lamla (Soziologie) geleitete Lehrforschungsprojekt dient der Exploration spezifischer Phänomene der Verschränkung von Politik und Konsum im Internet. Ausgangspunkt des Projekts war eine Sichtung und Sondierung solcher Felder der Internetnutzung, in denen Konsum und Politik neuartige Verbindungen eingehen – sei es in den Orientierungen der Nutzer(innen), sei es als verschränkte Handlungsform – etwa als politischer Konsum oder Boykottaktion – oder auf der Ebene der technischen Infrastrukturen und interaktiven Gebrauchsmöglichkeiten (s. Literatur & Material). Ausgehend von der ersten Explorationsphase und der Beschäftigung mit methodischen Ansätzen einer primär interpretativen Internetforschung (s. Seminarpläne), kristallisierte sich als gemeinsame Klammer der Untersuchungen ausgewählter Websites zunehmend die Frage heraus, ob mit den Formen der Konsument(inn)envernetzung im Internet ein neues politisches Bewegungs- oder Kommunikationsmodell entsteht, das auf einen neuen Typus von „Consumer-Citizen“ in der Netzwerkgesellschaft (Castells) ausgerichtet und abgestimmt ist.
Diese Fragestellung zielt nicht allein auf soziale Bewegungen und Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) ab, die sich im globalen Kontext das Internet zunutze machen, um im Kampf gegen die Übermacht multinationaler Konzerne die Gegenmacht der Konsument(inn)en zu bündeln und zu organisieren. Vielmehr werden nach der Methode der Kontrastbildung unterschiedliche Kontexte der Konsument(inn)envernetzung in den Blick genommen. Das Spektrum reicht in einer 1. Dimension von eher marktnahen, kommerziellen Formen der Vernetzung über basisdemokratische Aktionsmuster bis hin zur Informationspolitik von Verbraucherorganisationen und Einrichtungen des staatlichen Verbraucherschutzes. In einer 2. Dimension kann weiter unterschieden werden, auf welchem Interaktivitätsmodus und welcher technischen Form die Projekte der Konsument(inn)envernetzung basieren (sollen). Ist die Kommunikation eher asymmetrisch oder symmetrisch ausgerichtet? Welche politischen/ökonomischen Handlungsoptionen und -aufforderungen offerieren die einzelnen Internet-Projekte den Nutzer(innen)? Wie offen oder geschlossen ist das jeweilige Netzwerk auf der technischen Ebene bzw. auf der Ebene der Deutungsmuster und (ideologischen) Rahmungen der Projekte? Gelingt es, in den Vernetzungsprojekten die Selbstdeutungen mit den technischen Strukturgrundlagen und Interaktivitätsmustern zur Kongruenz zu bringen?
Der Link Teilprojekte in der linken Navigationsleiste liefert eine knappe Übersicht über die exemplarisch analysierten Internetseiten und -projekte. Die rechte Navigationsleiste führt durch die einzelnen Arbeiten der Studierenden. In ihrer Einführung erläutern Christoph Bieber und Jörn Lamla, wie die verschiedenen Teilprojekte auf die Fragestellung des Lehrforschungsprojektes bezogen werden können und welche Erkenntnisse sich aus dem Vergleich der Entwürfe und Projekte für ein "Netz der Konsument(inn)en" gewinnen lassen.