Freie WLAN-Netze und die Zukunft des Netizen
von Björn Trebitz
"trip the loop, make the switch, consume the net"
Eine genaue Übersetzung des Mottos der Webseite consume.net ist gar nicht so einfach. Eine wörtliche Überstezung ins deutsche scheitert, eine Nachfrage bei Armin Medosch brachte jedoch folgendes zum Vorschein: "trip the loop bezieht sich auf den 'local loop'auch bekannt als die last mile, es heisst also "ueberspring die letzte meile". Make the switch bezieht sich auf den network switch. das ist also kein Schalter sondern in einem Ethernet eine Zusammenschaltung zwischen zwei Netzen. Frei übersetzt kann es heißen ' mach dir eine netzwerkschaltung' oder, ambivalent - 'steig um aufs freie netz'. Consume the net heisst verbrauche/gebrauche das netz, ironisch als 'konsumiere' auch tragbar, im sinne einer Konsum-Netzgenossenschaft" - ein passendes Motto für das Thema 'Freie WLAN-Netze und die Zukunft des Netizen'.
Mittels Email-Interviews werden drei unterschiedliche freie Netzwerker porträtiert, die verschiedener nicht sein können: eine Frau und zwei Männer aus den USA, Großbritannien und Deutschland werden nach ihren Erfahrungen im Umgang mit offenen WLAN-Netzen befragt.
Dabei soll der Versuch einer Verortung ihrer Partizipationsgründe unternommen werden. In welchen Zusammenhang stehen Freie Netzwerker mit den Sphären "Consumer" und "Citizen"?, oder zeigt sich gar eine Hybridform, als "Consumer-Citizen"? Im Mittelpunkt der Interviews stehen Fragen nach der Motivation, sich an den verschiedenen Projekten zu beteiligen. Die Erfahrungen mit WLAN-Technik und freien Netzen sind bei den Interviewpartnern unterschiedlich, je nachdem, wie lange sie sich schon mit der Materie beschäftigen.
Folgende Hypothesen sollen bei der Verortung in den verschieden Sphären helfen:
1. Freifunker/Netzwerker sind „Citizens“, vielleicht sogar Netizens nach Leggewie (1997). Eine deliberative Partizipation an demokratischen Prozessen im Netz findet statt.
2. Frühere Generationen von Freifunkern teilten sich Bandbreite aus Kostengründen. Das trifft heute nicht mehr zu, Bandbreite ist erschwinglich geworden. Deswegen haben Konsumgründe nicht mehr oberste Priorität. Daraus folgt:
3. Wissensvermittlung/-bildung ist ein zentrales Motiv. Netzwerker-Treffen und Workshops finden online und offline statt.
4. Die Verknüpfung Online/Offline ist wichtig. Das Bild des, Nerds, der im dunklen Kämmerlein vor seinem Computer sitzt, ohne soziale Interaktionen mit der Außenwelt zu pflegen, trifft auf Freifunker nicht zu. Solche Leute nehmen am gesellschaftlichen Leben teil.
Die Arbeit ist nicht linear aufgebaut. Die einzelnen Interviewanalysen können zusammen oder getrennt gelesen werden. Die Nummerierung bezieht sich auf die Reihenfolge der Interviews.
Einen ersten Überblick über WLAN-Netze bietet das Buch „Freie Netze“ von Armin Medosch. Es ist im Internet unter der Creative Commons Licence veröffentlicht und kann als PDF-Dokument unter folgender Adresse abgerufen werden: ftp://ftp.heise.de/pub/tp/buch_11.pdf.
Eine Übersicht über Freie Netze mit aktueller Linkliste findet sich hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Wireless_community_network.
Weiterhin soll auf ein Projekt aufmerksam gemacht werden, die node-database, die sich zum Ziel gesetzt hat, weltweit so viele Netzwerkknoten wie möglich zu erfassen.
Literatur:
Leggewie, Claus (1997): Netizens oder: der gut informierte Bürger heute. In: Transit. 13 (Sommer 1997) S.3-25.
Medosch, Armin (2004): Freie Netze. Geschichte, Politik und Kultur offener WLAN-Netze. Hannover 2004.