Übersicht über die Teilprojekte
Neue Verbraucherpolitik im Internet
Katharina Witterhold nimmt in ihrem Beitrag Untersuchungen verbraucherorientierter Internet-Angebote vor und konzentriert sich dabei auf Websites aus politik-nahen Bereichen. In ihren Inhaltsanalysen beschreibt sie Merkmale der Internet-Strategie des Angebots des Bundesverband Verbraucherzentrale und der Website des Verbraucherministeriums. Durch Beschreibung und Interpretation von Aufbau und Inhalten der Online-Angebote können auch hier Beziehungsstrukturen zwischen staatlichen Akteuren der Verbraucherpolitik und einzelnen Verbraucher(inn)en oder Verbrauchergruppen skizziert werden. (…)
Konsumentenboykott und Verbraucherprotest
Tjark Sauer beschreibt in seiner Arbeit einerseits die Aktivitäten im attac-KonsumNetz innerhalb der deutschen attac-Strukturen und ergänzt diesen Bereich mit Beschreibungen von Internet-Kampagnen aus dem Bereich der „klassischen“ Konzern- und Globalisierungskritik (z.B. Adbusting, Globalisierte Stadtführung). Dabei stellt er verschiedene Techniken und Charakteristika eines medial gestützten Konsumprotests vor, die sich als konkrete Kopplungen an Produkte, Unternehmen oder Kampagnen organisieren. Erkennbar wird hier eine digital gestützte Verbraucherunterstützung („consumer enabling“), durch das Anbieten von Informationsmaterial oder Erfahrungswissen, das eine aktive Beteiligung an Mechanismen der Konsumkritik motivieren soll.
Neue "Prosumenten"? Das Beispiel Wikipedia
Die dem Open Source-Umfeld zuzuordnende Online-Enzyklopädie Wikipedia liefert Rahmen und Gegenstand für die Analyse von Bernhard Dobbert, der sich näher mit den so genannten „Wikipedianern“ („wikipedians“) auseinandersetzt hat. Dobbert geht der Frage nach, ob sich anhand dieses Produktes einer „Online-Kollaboration“ verschiedene Typen innerhalb eines „Prosumentenspektrums“ ausmachen – also Mischformen von Nutzung und Beteiligung, die zwischen den Polen „Informationsbereitstellung“ und „Informationsnachfrage“ oszillieren. Empirisches Material lieferten dabei ausgewählte Artikel-Einträge aus dem Wikipedia-Bestand, „kollektive Selbstauskünfte“ zu Philosophie und Arbeitsweise der Online-Enzyklopädie sowie insbesondere individuelle Selbstbeschreibungen einzelner „Wikipedianer“.
Die Kommunikationspraxis von spreadfirefox.com
Ausgangspunkt für die Untersuchungen von Paul Gebelein war die Kampagne zur Verbreitung des Internet-Browsers Mozilla Firefox. Das unter der GNU-Lizenz entwickelte Konkurrenzprodukt zum Internet Explorer Branchenführer Microsoft wurde mittels einer „bottom-up“-Kampagne zunächst via Internet, in einer späteren Kampagnenphase auch in großen Zeitungen beworben, inzwischen kursieren auch einige über das Internet verbreitete Werbespots. Wesentliche Ansatzpunkte sind die Entwicklung einer marktorientierten Image- und Verbreitungskampagne außerhalb der Strukturen etablierter Wirtschaftsunternehmen, sowie die im Rahmen der Online-Kampagne eingesetzten Logos, Symbole und Metaphern, die aus einem politischen Zeichenvorrat schöpfen. Die Untersuchung führt ausgewählte Elemente der Website spreadfirefox.com einer Detailbeschreibung und -interpretation zu.
Freie WLAN-Netze und die Zukunft des Netizen
Mittels E-Mail-Interviews porträtiert Björn Trebitz die Erfahrungen von drei „Freien Netzwerker(inn)en“, die an der Entwicklung offen zugänglicher W-LAN-Knoten in Deutschland, Großbritannien und den USA beteiligt sind. Dabei geht Trebitz insbesondere der Frage nach, ob die Aktivitäten eher „markt- bzw. konsumorientiert“ oder eher „politisch motiviert“ eingeschätzt werden könnten. Mit Blick auf die Entstehungsgeschichte „Freier Netze“ scheint hier eine allmähliche Bewegung aus der Markt- in die Politiksphäre beobachtbar – während zunächst die reine technologische Machbarkeit und die Reduzierung von Internet-Kosten im Vordergrund standen, hat zuletzt die kollektive Nutzung und die inhaltliche Ausformung einer „marktresistenten“ Infrastruktur an Bedeutung gewonnen.