Die Kommunikationspraxis von spreadfirefox.com
von Paul Gebelein
1. Einleitung
Bei der Internetseite www.spreadfirefox.com (SFX) handelt es sich um eine Plattform, die ein Programm namens Firefox verbreiten soll. Der Firefox ist ein Browser. Browser sind Programme, die es überhaupt erst ermöglichen, sich im Internet zu bewegen. Technisch gesprochen sind Browser Interpretationsprogramme für HTML und andere im Internet benutzte Sprachen. Sie sind dadurch für die korrekte Wiedergabe der ausgewählten Internetseiten zuständig. Ein Browser ist also so etwas wie ein Vehikel, auf dem sich der Nutzer durch das Internet bewegen kann. Nicht mehr und nicht weniger. Verschiedene Browser unterscheiden sich in der Bedienbarkeit, aber auch in Bezug darauf, was sie dem Benutzer vom Internet zeigen. Es gibt verschiedene Vehikel mit unterschiedlicher technischer Ausstattung. Manche haben Scheiben, die äußerst klar sind, durch die man jedes kleine Detail erkennen kann. Manche haben Scheiben, die eher an Milchglas erinnern und wieder andere haben sogar Scheiben mit eingebauten Filtern.
Der Firefox ist ein "Open Source" (OS) Programm. Eine Besonderheit an Programmen, die als Open Source Projekt entstehen ist, dass sie vom Anwender kostenlos benutzt werden können. Das kommt daher, dass jeder Anwender gewissermaßen als potentieller Weiterentwickler in Frage kommt. Als solcher braucht derjenige Zugriff auf den Quellcode, der per "General Public License" (oder einer anderen "allgemeinen, öffentlichen Lizenz") sichergestellt ist. Wenn jemand Zugriff auf den Quellcode hat, kann daraus auch das lauffähige Programm kompiliert werden. Insofern ist es problematisch, von Nutzern Geld für OS-Programme zu verlangen, da es ja immer den Weg gibt, sich das Programm mit Hilfe eines Compilers selbst zu erstellen. Wenn der Quellcode geheim bleibt, ist es einfach und nahe liegend, für das Programm Geld zu verlangen. Das widerspricht aber dem grundlegenden Gedanken der OpenSource Gemeinde.
Bei SFX handelt es sich um eine solche offene Plattform. Diese Plattform ist von der Mozilla Foundation ins Leben gerufen worden, um den Internetbrowser Firefox zu verbreiten. Der Firefox ist, wie schon angedeutet, ein OpenSource Projekt, das der Mozilla Foundation gehört. Dass das Projekt der Mozilla Foundation gehört heißt, dass sie die Entwicklungsrichtung für dieses Projekt vorgibt. Es gibt sogenannte Roadmaps, in denen festgehalten wird, in welche Richtung die Entwicklung gehen soll. Dies widerspricht nicht der Offenheit des FS/OS (FreeSoftware/OpenSource) Gedankens, denn es bleibt jedem Interessierten frei gestellt, entweder seine Vorstellungen einzubringen oder ein eigenes Projekt, vielleicht auch auf der Basis des bisher erarbeiteten Codes, zu starten bei dem derjenige dann die Roadmaps schreiben darf, aber eben auch den Organisationsaufwand tragen muss.
Die Plattform www.spreadfirefox.com ist dafür installiert worden, um den Firefox-Browser möglichst breit unter den weltweiten Internetnutzern zu verteilen. Fügt man hinzu, dass der Firefox kostenlos ist, führt dies zu der eigentlichen Fragestellung dieser Arbeit. Wo positioniert sich der Kommunikationsstil von SFX auf einem Kontinuum mit den folgenden beiden Extrempunkten. 1. Der politische Pol, der durch klassische politische Kommunikation zur Mobilisierung von Menschen für eine bestimmte Sache gekennzeichnet ist, in diesem Fall für die Unterstützung der FS/OS-Community bzw. des Firefox-Projekts. Und deren Ziel es ist, die politischen Ideologien der FS/OS-Bewegung, wie freier Austausch von Informationen, projektorientiertes Arbeiten etc. zu verbreiten. 2. Der wirtschaftliche Pol, der durch ökonomisch orientierte Werbekommunikation definiert ist. Darunter fallen Stichwörter wie Markenbildung oder Branding. Das ureigene Ziel einer solchen Kommunikation wäre es, möglichst viele Exemplare des beworbenen Produkts zu verkaufen. Um so zum einen Geld zu verdienen und zum anderen Marktanteile zu erobern, und auf diese Weise eine machtvolle Position auf dem Markt für Browser zu erlangen.
Eine weitere Dimension, die es neben dem Kommunikationsstil zu bedenken gilt, ist die der Handlung. Handelt es sich bei den Aktionen, die SFX tätigt, um politische oder wirtschaftliche Akte? Eng damit verbunden ist die Frage nach dem Ziel, das von SFX angestrebt wird. Es ist nämlich durchaus vorstellbar, dass der Kommunikationsstil und der Akt bzw. das angestrebte Ziel, also die Stoßrichtung der Aktion, in ihrer Zugehörigkeit zu einem der oben skizzierten Pole, nicht übereinstimmen; dass z.B. ein eigentlich politisches Ziel mit einem eigentlich wirtschaftlichen Kommunikationsstil verfolgt wird.
Um der Beantwortung dieser Fragen auf die Spur zu kommen, werden mit Hilfe interpretativer Internetforschung einige Elemente von SFX detailliert auf ihren Kommunikationsgehalt untersucht. Dabei sollen die Schwerpunkte der Untersuchung auf folgenden Aspekten liegen:
- Was für ein Selbstverständnis wird von den Initiatoren kommuniziert?
- Welche Möglichkeit der Rückkommunikation hat der Nutzer der Website?
- Was für ein Kommunikationsstil wird betrieben - zwischen klassischer politischer Kommunikation und wirtschaftlicher Werbekommunikation?